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Ehemalige Tuchfabrik mit Hofpflasterung und Gleisresten
Öffentliches Denkmal

Adresse:
Sorauer Straße 37
03149 Forst (Lausitz)
Link:


Baujahr: Ende 19. Jahrhundert

Nähere Standortbeschreibung: Das Objekt befindet sich auf der Südseite der Stadt Forst. In der die Stadt in Ost-West-Richtung querenden Sorauer Straße in der Nähe zum Mühlgraben.
 

Beschreibung des Denkmals

Das Hauptgebäude der ehemaligen Tuchfabrik, das eigentliche Fabrikgebäude, ist ein breitgelagerter, viergeschossiger gelber Backsteinbau über rechteckigem Grundriß.

Die Fassade ist rhythmisch gestaltet: zur Sorauer Straße hin weist sie elf Achsen, an den Schmalseiten jeweils drei Achsen auf. Die zeittypischen, vielsprossigen Industriefenster besitzen eine flachbogige Form, im dritten Obergeschoß sind sie in reduzierter Größe als Zwillingsfenster ausgebildet.

Besondere Erwähnung verdienen das neben dem Eingang angeordnete Fenster auf der östlichen Schmalseite sowie die beiden straßenseitig gelegenen Fenster im Erdgeschoß. Sie belichten das ehemalige Kontor und besitzen im Unterschied zu den einfachen Metallfenstern der Lager- und Arbeitsräume Fensterkreuze auf profiliertem Holz.

Die Schmalseiten des Gebäudes werden durch deutlich akzentuierte Schweifgiebel betont. Der östlich angeordnete, portalartige Eingang erhielt eine vorkragende Rahmung mit Staffelgiebel aus rotbraunen Ziegeln. Diese Ziegel wurden zur belebenden Wirkung auch für den Sockel, die Gesimse und die schmückende Fensterbekrönung verwendet.

Seine vertikale Gliederung erhält der Baukörper durch zwischen den Achsen angeordnete Wandvorlagen. Das Hauptgebäude wird durch ein Flachdach abgeschlossen. Aufgrund der Veränderungen im Innern des Gebäudes sind nur die Bauhülle und die Anordnung des Treppenhauses sowie der Arbeitsräume denkmalrelevant.

Das ehemalige Maschinenhaus, das Kesselhaus und der sogenannte Arbeitsraum schließen das Fabrikgebäude an und sind auf der Ostseite der Badestraße gelegen. Straßenseitig weist die Fassade einen eingeschossigen Teil von fünf Achsen und einen südlichen zweigeschossigen Teil von sieben Achsen auf. Da diese Bauteile ebenfalls ihrer ursprünglichen Funktion beraubt und verändert worden ist, beschränkt sich der Schutzumfang ebenfalls auf die überkommene Substanz der Bauhülle und darüber hinaus auf die ursprüngliche, zum Teil ausgebesserte Granitpflasterung im Hof.
(Siehe auch Villa Sorauer Straße 39.)

Die ehemalige Tuchfabrik Sorauer Straße 37 und die dazugehörige Fabrikantenvilla Sorauer Straße 39 besitzen geschichtliche und städtebauliche Bedeutung. Das heutige Forst ist geprägt vom industriellen Aufstieg, den die Stadt im 19. Jahrhundert erlebte. Besonderen Anteil daran hatte die Tuchindustrie, die sich an 1850 beschleunigt entwickelte.

Die Erschließung nahegelegener Braunkohlegruben nahm ihren Anfang und ermöglichte den zunehmenden Einsatz von Dampfmaschinen. Nach 1870 entstanden auf dem Gelände zwischen Mühlgraben und Neiße sowie zwischen Mühlgraben, Sorauer Straße, Planckstraße und der Straße Am Haag Fabrikviertel. Auch die 1860 eingewanderte Familie Noack ließ dort Fabriken bauen, darunter die beschriebene Produktionsstätte des Daniel Noack. Sie trug zum Ruf der Stadt Forst als „das deutsche Manchester“ bei und ist Zeugnis einer in der Vergangenheit blühenden Tuchindustrie, die in den zwanziger Jahren in der Zahl der Fabriken und im Produktionsumfang ihren höchsten Stand erreichte.

Zu dieser Zeit lag Forst weit vor anderen Textilzentren wie Aachen und Cottbus. Neben der Verbesserung der Verkehrsanbindung durch Chausseebau und Eisenbahn wurde 1893 mit der Inbetriebnahme der Forster Stadteisenbahn, der „Schwarzen Jule“, eine neue innerstädtische Transportmöglichkeit geschaffen.

Die Braunkohle mußte fortan nicht mehr mit Pferdefuhrwerken vom Bahnhof zu den Fabriken transportiert werden, statt dessen wurden am Bahnhof die Kohlewaggons auf Rollböcke gesetzt und von der „Schwarzen Jule“ direkt vor die Kesselhäuser der Fabriken gezogen. Aus dieser Zeit haben sich Gleisreste im Hof und in der Einfahrt der Fabriken erhalten.

Zeittypisch ist die Errichtung der Fabrikantenvilla in unmittelbarer nähe zur Fabrik. Sie stellt ein anschauliches Beispiel für die Wiederverwendung mittelalterlicher Formsprache in der großbürgerlichen städtischen Wohnarchitektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts dar. Historische Formen und Formmotive im Fassadenaufbau der Villa sollten nicht nur malerische Wirkung hervorrufen, sondern auch den sozialen Status und Geltungsanspruch des Besitzers sichtbar machen. Dies trifft für Ausstattung und Ausschmückung gleichermaßen zu.

Besondere ortsgeschichtliche Bedeutung kommt den Baulichkeiten durch die Person des zumindest für die Villa nachweisbaren und für die Fabrik anzunehmenden Baumeisters, Maueremeister Bodo Hammer, zu. Dieser bestimmt durch sein Wirken vor und nach der Jahrhundertwende das Baugeschehen der Stadt Forst wesentlich mit.

So hinterließ er beispielsweise seine Spuren bei den Fabriken und Villen für die Unternehmer Theodor Harmuth in der Max-Fritz-Hammer Straße und Richard Cattien in der Parkstraße, beim Caritasheim am Kegeldamm, beim Pfarrhaus in der Kirchstraße und seiner eigenen Villa Rüdigerstraße 10. Damit ist die baugeschichtlich und –typologisch interessante Möglichkeit des Vergleichs gegeben. Neben dem beschriebenen geschichtlichen Zeugniswert besitzen die in Rede stehenden Baulichkeiten auch städtebauliche Bedeutung. Größe und Architektonische Ausformung tragen in Verbindung mit dem exponierten Standort der Fabrik im Kreuzungsbereich Sorauer Straße/Badestraße sowie der Villa im Kreuzungsbereich Sorauer Straße/Planckstraße zur straßenbildprägenden Wirkung der Baukörper bei.
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