Montag, 22. März 2021 | Allgemeines 140 Jahre Freiwillige Feuerwehr Forst (Lausitz) - Ortswehr Forst – Stadt

Die Freiwillige Feuerwehr der Kreis- und Rosenstadt Forst (Lausitz) begeht in diesem Jahr am 26.03.2021 ihr 140–jähriges Gründungsfest.

Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Forst
Freiwillige Feuerwehr Forst (Lausitz), Foto Frank Junge, Copyright: Frank Junge

Wenn wir zurückblicken, geht das organisierte Feuerlöschwesen weit bis in das 17. Jahrhundert zurück. Durch Recherchen und lesen von Schriftstücken ist bekannt, das Forst mehrere Spritzenhäuser hatte. Ein Spritzenhaus stand in der damaligen Hammerstraße und eins am Lindenplatz. In diesen Gerätehäusern waren, so wie heute auch, Geräte und Technik (Handdruckspritzen) untergebracht. Eigentümer der Gebäude und der Technik war auch damals schon die Stadt Forst (Magistrat).

Im Jahre 1861 wurde der „Turnverein 1861“ gegründet. Die damaligen Turner waren bestrebt, dem Gemeinwohl zu dienen und so entstand die Idee, eine Turnerfeuerwehr zu gründen. Nach zwanzig Jahren wurde am 26. März 1881 die Freiwillige Feuerwehr Forst (Lausitz) gegründet und Friedrich Passarius zum ersten Oberführer gewählt.

Auch früher kümmerte man sich schon um sogenannte Spenden oder Geldsammlungen. Bei einer großen Spendenaktion konnte eine beachtliche Geldsumme erbracht werden, von diesem Geld kaufte man dann zwei Handdruckspritzen, einen Schlauchwagen, Uniformen und Ausrüstungen für die Kameraden der Wehr. Ab dem Jahr 1882 lag die Brandbekämpfung allein in den Händen der Freiwilligen Feuerwehr. Die Freiwillige Feuerwehr trat auch im selben Jahr den Brandenburgischen Provinzialfeuerwehrverband bei. Die Stadt übernahm ab 1884 sämtliche Kosten für die Neubeschaffung und Unterhaltung der Geräte und Ausrüstungsgegenstände. Mit der Genehmigung vom Magistrat für den Neubau eines Gerätehauses am Pestalozziplatz 2, konnten die Voraussetzungen für die Bekämpfung von Bränden in der Stadt auch damals schon verbessert werden, die feierliche Einweihung des Gerätehauses erfolgte am 01. Dezember 1889.

1924 fand der 24. Feuerwehrverbandstag in Forst statt. Im Rahmen dieses Verbandstages gab es auch eine große Ausstellung von Feuerlöschgeräten und Technik. Unter anderem war auch eine Drehleiter 26 der Firma Margirus mit Holzleiterpark ausgestellt. Diese wurde von der Stadt gekauft und blieb damit gleich in Forst. In den folgenden Jahren wurde die Motorisierung ständig erweitert und fortgeführt. Das hatte zum Ergebnis, dass Forst die zu diesem Zeitpunkt am besten ausgerüstete Wehr in der Mark Brandenburg war. Es wurde aber nicht nur motorisiert. Am 8. Juli 1929 ging die Feuermeldeanlage in Betrieb. An ihr waren vier Feuermelde- und Weckerschleifen mit 78 Feuermeldern angeschlossen.

Mit dem Preußischen Feuerlöschgesetz vom 15.12.1933 wurde eine Altersgrenze von 60 Jahren festgelegt. Die hatte zur Folge, dass viele ältere bewährte Kameraden aus dem Dienst ausscheiden mussten. Neue Uniformen und Stahlhelme wurden eingeführt.

Mit der Zerschlagung des Deutschen Reiches wurden alle Verwaltungsstrukturen aufgelöst, somit auch die Feuerschutzpolizei und die Berufsfeuerwehren. Mit Befehl Nr. 66 der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland) vom 17. September 1945 wurde u. a. das Reichsfeuerlöschgesetz vom 23. November 1938 sowie die auf dieser Rechtsvorschrift basierenden Vorschriften in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) außer Kraft gesetzt. Damit wurde zunächst ein uneinheitlicher Zustand für den Brandschutz im Allgemeinen und für die Feuerwehren im Besonderen geschaffen. Es wurde vielerorts der Feuerwehrdienst notdürftig organisiert. Bei der Neuorganisation der Freiwilligen Feuerwehren traten Schwierigkeiten auf, denn der angedachte reibungslose Übergang war zu dieser Zeit nicht realisierbar.

Unter der alten Losung: „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr“ oder der neuen Losung: „Helfen in Not ist unser Gebot“ versammelten sich männliche Bürger zur Weiterführung der Feuerwehren in ihren Dörfern und Städten. Am 26. Juli 1946 beschlossen 43 Kameraden die Neugründung der Freiwilligen Feuerwehr Forst (Lausitz). Zum ersten Leiter der Wehr wurde der Brandmeister Paul Pürschel berufen. Bis zum Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutz vor Brandgefahren am 18. Januar 1956 waren Gebäude und Technik im Eigentum der Volkspolizei. Erst mit diesem Gesetz wurden die Grundlagen geschaffen, dass die Freiwilligen Feuerwehren von den örtlichen Räten wieder übernommen werden konnten. Diese Übernahme geschah in Forst im Juni 1956. Im Jahre 1957 wurde das Kommando der Berufsfeuerwehr der Volkspolizei aufgelöst. Seitdem gab es die Abteilung Feuerwehr beim VPKA, die die Freiwilligen Feuerwehren leitete und kontrollierte. Ich den Fünfzigerjahren gab es verschiedene Leiter der Feuerwehr. 1959 musste wegen des geringen Personalbestandes eine Pflichtfeuerwehr einberufen werden. Gleichzeitig wurde die Wehr in drei Züge aufgeteilt, wobei die Züge 1 und 2 die Brandbekämpfung durchführten während der dritte Zug im vorbeugenden Brandschutz eingesetzt wurde. Von 1962 bis 1971 leitete Brandinspektor Dietrich Ruhle die Wehr. Der Brandinspektor Günter Frommelt war von 1971 bis 1982 Wehrleiter der Forster Wehr. In den Achtzigerjahren führte der Brandinspektor Jürgen Radefeld und Brandinspektor Heinz Giersch die Forster Wehr bis am 01.05.1989 der Kamerad Bernd Frommelt die Wehr übernahm. Auch die Technik der Löschfahrzeuge änderte sich im Laufe der Jahre in den Freiwilligen Feuerwehren. In den Fünfzigerjahren fuhr man bei der Feuerwehr H 3 A-Fahrgestelle, in den Sechzigerjahren wurden Fahrzeuge für die Feuerwehr der Marke Garant und S 4000 gebaut, in den Achtzigerjahren konnten sich die Kameradinnen und Kameraden auf das ein oder andere Fahrzeug vom Typ W 50 freuen.

Mit der im Herbst 1989 eingeleiteten politischen Wende in der DDR und dem darauffolgenden Beitritt zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 gab es auch grundlegende Veränderungen für die Feuerwehren.

Der vorbeugende Brandschutz speziell für den Wohnbereich wurde abgeschafft, aus der Arbeitsgemeinschaft Junge Brandschutzhelfer wurde die Jugendfeuerwehr. Wir bekamen zum wiederholten Male unsere Technik von den Räten der Kreise zurück. Mit dem Brandenburger Brandschutzgesetz wurden als Träger des Brandschutzes die Gemeinden eingesetzt.

Durch die politische Wende und dem Beitritt zur Bundesrepublik erhöhten sich die Einsatzzahlen sprunghaft. Zu den Aufgaben gehörten jetzt nicht nur die bisherige Brandbekämpfung, sondern auch die Technische Hilfeleistung kam dazu. Dies war für die Angehörigen der Feuerwehr eine große Herausforderung im Einsatzgeschehen. Zur Lösung dieser gestellten Aufgaben gab es aus Landesmitteln zum Teil neue gebrauchte bzw. neue Fahrzeuge. Mit der Zuführung dieser Technik platzte das Gerätehaus in der Hochstraße aus den Nähten. Durch die zahlreichen neuen Aufgaben (Verkehrsunfälle auf Autobahnen und Bundesstraßen) beantragte die Stadt beim damaligem Innenministerium Fördermittel zum Bau eines neuen Gerätehauses im Süden der Stadt.

Im Jahr 1993 konnte der Spatenstich zum Neubau des Gerätehauses vollzogen werden, gleichzeitig wurden Überlegungen in der Wehrführung getroffen, die Wehr in Standorte Süd und Mitte zu teilen.

Die Aufteilung der Wehr, wurde mit der Übernahme des Gerätehauses dann in 4 Züge durchgeführt.

Der 1. und 2. Zug gehörten zum Gerätehaus Mitte in der Hochstraße und der 3. und 4. Zug dem Gerätehaus Süd an.

Mit dieser Teilung erreichte man auch, dass zu Bagatelleinsätzen (Müllcontainer, kleine Flächenbrände u.s.w.) nicht die komplette Wehr alarmiert werden muss. Die Einweihung des Gerätehauses in der Skurumer Straße 1 A erfolgte im Jahr 1994.

Aber auch am bisherigen Gerätehaus in der Hochstraße 2, nagte mittlerweile der Zahn der Zeit. Die Kameradinnen und Kameraden freuten sich im Jahr 1997, als auch hier der Spatenstich zum Um- und Neubau des Gerätehauses realisiert werden könnte. Dies war ein weiterer Schritt zur Verbesserung des Arbeitsumfeld und für die Sicherheit der Kameradinnen und Kameraden sowie die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr maßgeblich verbessert. Dieser Umbau dauerte bis in das Jahr 2000.

Auch ab dem Jahr 2000 gab es für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Forst immer wieder neue Herausforderungen, um den Schutz der Bürgerinnen und Bürger  der Stadt Forst (Lausitz) und Umgebung zu gewährleisten. So beschäftigte uns 2002 ein gewaltiges Hochwasser, es waren Einsatzkräfte in der Stadt Wehlen oder auch in Mühlberg und in der Prignitz eingesetzt. Im Jahr 2004 wurde die Freiwillige Feuerwehr Forst (Lausitz) durch eine weitere Ortswehr verstärkt, die Ortswehr Horno nahm offiziell den Dienst am neuen Standort auf. Die Stadt Forst (Lausitz) übergab den Kameradinnen und Kameraden im Jahr 2004 das erste neue Löschgruppenfahrzeug (LF 16/12).

Ein weiterer Höhepunkt war die Aussonderung der W 50 Drehleiter und die damit verbundene Übergabe eines Hubrettungsfahrzeuges (TM 23/12). Zum Ende des Jahres 2007 wurde ein Hilfeleistungslöschfahrzeug das Jahr drauf im Mai das neue Tanklöschfahrzeug, welches mit Fördermitteln des Landes beschafft wurde, in Dienst gestellt.

Das Jahr 2010 wird sehr vielen Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr und auch den ein oder anderen Bürger der Stadt Forst (Lausitz) in Erinnerung bleiben. Die Stadt wurde gleich zweimal kurz hintereinander von einem Hochwasser der Lausitzer Neiße überrascht. Gemeinsam kämpften alle zwölf Feuerwehren der Stadt gegen die Wassermassen und verhinderten mit vielen weiteren Helfern Schlimmeres für die Stadt und manchen Ortsteil an der Neiße.

Nach 22 Jahren Wehrführer einer Freiwilligen Feuerwehr übergab Kamerad Bernd Frommelt die Leitung der Wehr an den Kameraden Jens Melchrick.

Kamerad Frommelt wurde Stadtwehrführer sämtlicher Feuerwehreinheiten der Stadt Forst (Lausitz). Diese Funktion übte der Stadtbrandmeister laut damaligem Brandenburgischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz bis zu seinem vollendeten 65. Lebensjahr aus. Den Staffelstab übergab er an seinen damaligen Stellvertreter, dem 1. Hauptbrandmeister Andreas Britze.

Zum Jahresende 2019 übernahm der Kamerad Ray Doebis die Funktion des Wehrführers der Feuerwehr Forst vom Kameraden Jens Melchrick.

Die vergangenen Jahre waren aber auch von einer zielgerichteten Ausbildung auf allen Ebenen geprägt. Mit der Bereitschaft der anderen Ortswehren in das Diensthabende System der Ortswehr Stadt integriert zu werden, war ein weiterer Meilenstein zur Gewährleistung der ständigen Einsatzbereitschaft geschaffen worden.

Große Aufregung herrschte am 10. August 2017 in der Stadt Forst (Lausitz). Bei Bauarbeiten wurde eine 100 kg Fliegerbombe russischer Bauart bei Bauarbeiten in der Gubener Straße entdeckt. Die Entschärfung erfolgte durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes   Brandenburg am 16.08.2017. Dafür war es erforderlich, Teile der nördlichen Forster Innenstadt zu evakuieren, diese enorme logistische Aufgabe konnte nur unter Leitung vom „Stab für außerordentliche Ereignisse der Stadt Forst (Lausitz)“ in Zusammenarbeit mit allen 12 Ortswehren der Feuerwehr Forst (Lausitz) bewältigt werden.

Wir können heut mit Stolz berichten, dass die Feuerwehr Forst in der 140 - jährigen Geschichte der Wehr ihre an Sie gestellten Aufgaben zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Forst (Lausitz) zur Zufriedenheit erfüllt hat.

Dies verdient Dank und Anerkennung an die Kameradinnen und Kameraden, aber auch die Partner und Angehörigen für die oft lange Entbehrung ihrer Lieben, wenn sie im Einsatz mit der Feuerwehr waren.

Die Freiwillige Feuerwehr Forst wird immer für den Schutz und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Forst (Lausitz) da sein.

Bitte bleiben Sie alle schön gesund und Corona frei.

Ihre Freiwillige Feuerwehr Forst (Lausitz)

Gut Wehr !